
Projektmitarbeiter Dominik Jentzsch mit Helfer*innen beim Clean-Up-Day.
Zwischen den einzelnen Häusern in der Thermometersiedlung gibt es zwar viele grüne Flächen, es fehlen aber naturnahe Gärten, die zum Verweilen einladen, Nahrung für Insekten bieten und mit der zunehmenden Trockenheit zurecht kommen. Seit Anfang des Jahres kümmert sich das Projekt „Sichtbar Grün“ um eine Verbesserung der Situation. Der Projektträger, die „Stiftung für Mensch und Umwelt“, verfolgt dabei eine langfristige Strategie, die ebenso die Bedürfnisse der Menschen im Blick hat: „Auch die Akzeptanz der Nachbar*innen muss wachsen“, sagt Projektmitarbeiter Dominik Jentzsch.
Gärten der Zukunft
Der in vielen deutschen Gärten und Parks gepflanzte Rasen ist ein Auslaufmodell. Es wachsen dort nur wenige unterschiedliche Pflanzen, der Wasserbedarf ist hoch und die Empfindlichkeit gegen Hitze augenscheinlich: In den letzten Jahren waren viele Flächen schon im Juni nicht mehr saftig grün, sondern nur noch gelb und braun. Die Zukunft, darin sind sich Expert*innen einig, gehört Pflanzen, die mit den Auswirkungen des Klimawandels besser zurecht kommen und gleichzeitig Insekten als Nahrungsquelle dienen. Letzteres ist wichtig, denn das Verschwinden der kleinen Tiere bedroht auch die Lebensgrundlagen der Menschen.
Spezialist*innen für naturnahe Gärten
Dieser Absatz ist leicht anzupassen: Die „Stiftung für Mensch und Umwelt“ hat sich auf das Anlegen naturnaher Gärten spezialisiert. Ihre Kernkompetenzen sind die Planung von Grünflächen und die Umsetzung naturnaher Konzepte. Das kleine, sechs Personen starke Team arbeitet mit Wohnungsbauunternehmen zusammen, mit dem Bundesamt für Naturschutz und der Berliner Senatsverwaltung. Es plant und realisiert kleine Parkanlagen, Trittsteinbiotope und organisiert Veranstaltungen für Kinder wie Nisthilfen-Bauworkshops und Wildbienen-Rallyes.
Kommunikation mit Anwohnenden
Wenn Gärten geplant und realisiert werden, ist die Kommunikation mit den Nachbar*innen nicht nur wegen der Akzeptanz wichtig, sondern auch, um ein langfristiges Umdenken zu bewirken. Im Idealfall übernehmen die Anwohnenden später einen Teil der Pflege. „Wir bauen unsere Kulissen selbst, um Umweltbildung zu machen“, erzählt Dominik Jentzsch.
Attraktive Flächen führen zu weniger Müll
Im Projekt „Sichtbar Grün“ spielt neben dem Anlegen von Gärten die Beseitigung und Verhinderung von illegalen Müllplätzen eine große Rolle. Wobei die Stiftung hier auf den gegenteiligen „Broken Window-Effekt“ setzt. Der besagt, dass Müll bedenkenlos dort hingeworfen wird, wo schon welcher liegt. Sind umgekehrt Flächen attraktiv, müllfrei und von der Nachbarschaft akzeptiert, landet dort auch in Zukunft voraussichtlich weniger Müll. Als erste Aktion gegen die Vermüllung hatte die „Stiftung für Mensch und Umwelt“ zusammen mit dem Kieztreff am 18. Juni 2025 zum Clean-Up-Day geladen, an dem gemeinsam und öffentlichkeitswirksam Müll gesammelt wurde.
Projektbestandteile in der Thermo
Neben den Aktionen gegen Müll sind vor allem naturnahe Lebensräume in der Thermometersiedlung geplant bzw. befinden sich bereits in der Umsetzung:
1. An der Mercator-Schule gestaltet die Stiftung zusammen mit Schüler*innen einen Garten und die Bepflanzung der Eingangstreppe. Unterstützt wird das Vorhaben ehrenamtlich von der Kunststudentin Mahperi Aydemir.
2. Am 18. September 2025 wird im Rahmen der Klimawoche des Bezirks Steglitz-Zehlendorf in der Celsiusstraße 9 auf einem Vonovia-Grundstück eine Blumenwiese gepflanzt.
3. In der Fahrenheitstraße entsteht in Kooperation mit der HOWOGE ein Trittsteinbiotop. Trittsteinbiotope sind einzelne naturnahe Flächen, die wie Inseln in der Stadt liegen. Sie helfen Tieren, von einem Lebensraum zum nächsten zu gelangen, und fördern so die Vernetzung und Artenvielfalt.
Geplant ist zudem eine Natur-Rallye durch den Kiez, bei der unterschiedliche Orte besucht werden, an denen Umweltprojekte umgesetzt wurden oder werden: das neu angelegte „Pollinator Pathmaker“-Beet in der Celsiusstraße 46 (hier hatte sich die Stiftung an der Bepflanzung beteiligt), die Gartenwerkstatt an der Mercator-Schule, das Trittsteinbiotop und der Stangenpfuhl. Letzterer wird zurzeit zu einem Erholungsraum entwickelt.
Sichtbar Grün kennenlernen
Wer das Projekt „Sichtbar Grün“ kennenlernen möchte, ist herzlich zum Tag der offenen Tür des Quartiersmanagements Thermometersiedlung am Donnerstag, den 17. Juli von 15 – 18 Uhr eingeladen. Dort stellt sich auch das Team von Sichtbar Grün vor. Auf dem Kiezfest am 19. September wird das Team ebenfalls mit einem Stand präsent sein.
Das Projekt "Sichtbar Grün" wird vom Quartiersmanagement Thermometersiedlung aus Mitteln des Programms Sozialer Zusammenhalt finanziert und hat eine Laufzeit von drei Jahren.

M. Hühn, Juli 2025

